Fünf Jahre nach dem erfolgreichen Angriff auf die IT-Infrastruktur des Bundestags hat der Generalbundesanwalt nun einen internationalen Haftbefehl gegen einen Tatverdächtigen erwirkt, berichten der WDR, NDR und die Süddeutsche Zeitung. Im Auftrag des russischen Militärgeheimdienstes GRU soll der 29-jährige Dmitriy Badin eine entscheidende Rolle beim Bundestags-Hack gespielt haben. Dabei wurden Gigabytes an Daten abgezogen, darunter E‑Mails zahlreicher Abgeordneter.
Schon kurz nach dem Entdecken des Bundestag-Hacks im Frühling 2015 mehrten sich die Hinweise darauf, dass der Angriff von einer staatlich geförderten Gruppe aus Russland durchgeführt wurde. So legte etwa ein Bericht des IT-Sicherheitsforschers Claudio Guarnieri im Auftrag der Linksfraktion nahe, dass die Gruppe „APT28“, unter anderem als „Fancy Bear“ bekannt, daran beteiligt gewesen sein könnte.
Bekannte Angreifer
Die Russland zugeschriebene Gruppe soll zahlreiche westliche Ziele angegriffen haben, darunter die IT-Infrastruktur der Demokraten im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016. Bereits vor zwei Jahren hat deshalb der US-Sonderermittler Robert Mueller Anklage gegen Badin erhoben. Eine Auslieferung des mutmaßlichen Täters, ob an die USA oder an Deutschland, ist jedoch so gut wie ausgeschlossen.
Laut dem Bericht von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung soll Badin der Einheit 26165 beim GRU angehören. Am 7. Mai 2015 soll er die Schadsoftware „VSC.exe“ eingesetzt und gesteuert haben, um damit Passwörter abzugreifen und weiter in das IT-System vorzudringen. Zuvor bekamen die Abgeordneten und ihre Mitarbeiter Phishing-Mails, die vorgaben, von den Vereinten Nationen versandt worden zu sein. Der in den Mails enthaltene Link führte jedoch auf eine präparierte Webseite, die nach einem Besuch Schadsoftware auf den Bundestagsrechnern installierte.
Nach und nach erlangten die Angreifer Zugriff auf weite Teile des IT-Systems des Parlaments. Dabei übernahmen sie auch Accounts von Administratoren des Netzwerkes. Schließlich musste die IT-Abteilung das gesamte Netz des Bundestages abschalten, um das Problem in den Griff zu bekommen. Da war es aber schon zu spät, zwischenzeitlich wurden rund 16 Gigabyte an Daten an Server im Ausland übermittelt. Ob weitere Haftbefehle folgen werden, ist derzeit unbekannt. Viel Zeit bleibt nicht mehr, denn in wenigen Wochen läuft die Verjährungsfrist ab.
